„ženske stvari“ – Das sind Frauensachen
- Ivana Cucujkić-Panić
- 5. Nov. 2024
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. Nov. 2024
Besonders bei Migrantinnen gibt es eine Welt voller Tabus und Mythen über den weiblichen Körper, weiß unsere femFATAL-Kolumnistin aus eigener Erfahrung. Doch welche Folgen haben Scham und Fehlinformation für die Gesundheit?
Kolumne von Ivana Cucujkić-Panić
"ženske stvari!" Oder vom Serbischen übersetzt: "Ach, das sind bloß Frauensachen. Hör' einfach nicht hin." So bin ich groß geworden. Ob Regelschmerzen oder Schwangerschaft, Frauengesundheit haben die Frauen bei uns im Verborgenen besprochen. Nichts für männliche Ohren. Bei neugierigen Fragen hieß es nur „ženske stvari“ – "Frauensachen". Und damit schien alles gesagt: Wenn es nur uns Frauen und Mädchen betrifft, kann es nicht weiter wichtig sein. Sprache formt Realität – und diese unscheinbare Redeweise prägte lange mein Verständnis von Körper und Gesundheit. Samt einem unterschwelligen Riesenfaktor: Die Scham. Ich schämte mich von jung an, über den eigenen Körper zu sprechen.

Dieser kulturelle Umgang mit Frauengesundheit ist kein Einzelfall. Besonders bei Migrantinnen, und ich spreche hier aus Erfahrung, gibt es eine Welt voller Tabus, Unwissen und Mythen. Frauengesundheit ist oft eingehüllt in Halbwissen, das häufig mehr schadet als nützt. Für mich ist es daher ein Privileg, über Gendermedizin und ihre Bedeutung für Frauengesundheit zu recherchieren und zu lernen. Nicht jede Frau hat Zugang zu diesem Wissen. Ein relevanter Teil unserer Gesellschaft, vielleicht das Mädchen aus dem dritten Stock, wächst mit Vorstellungen auf, die tief verankert sind in tradierten Fehlinformationen: Die Regelblutung gilt als etwas Schmutziges, Abtreibung mache unfruchtbar, Sex dürfe ruhig wehtun, und Sport? Der sei ohnehin nichts für Mädchen.
Die Konsequenz davon zeigen die Fakten: Frauen mit Migrationshintergrund treiben seltener Sport, sind häufiger von Übergewicht und Depression betroffen und nehmen Vorsorgeangebote wie Mammographien seltener wahr. Studien deuten darauf hin, dass Frauen mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Nicht-Migrantinnen schlechtere Chancen auf eine gute Gesundheit haben, selbst bei gleichem Alter und Bildungsniveau. Das Warum ist ein Konglomerat aus sprachlichen und kulturellen Barrieren, Tabuisierung und Scham. Scham, darüber zu sprechen, nachzufragen und hinzusehen. Wir haben früh gelernt, dass Frausein schamhaft ist.
Apropos Scham: Auch wir bei femFATAL sind errötet – nämlich im Anblick unserer „weiblichen Scham“. Da war sie plötzlich, die weibliche Vulva als kreative Collage, präzise und unmissverständlich. Und ja, wir drei von femFATAL dachten: Huch, ertappt. Eindeutig ertappt dabei, dass uns dieser Anblick doch ein wenig ungewohnt und unangenehm ist. Zu sehen, wie es „DA UNTEN“ aussieht – immer noch gesellschaftlich ein Aufreger.
Quellen: Frauengesundheit und Gendermedizin Agenda des Bundeskanzleramts Frauen und Integrationsbericht 2019 des ÖIF Bericht Zahlen, Daten und Fakten zu Migration & Integration von 2023 des ÖIF |

