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„Wollen Sie den Eingriff dann ohne Betäubung?“

  • Delna Antia-Tatić
  • 17. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 21. Juli

Kerstin reagiert allergisch auf ein bestimmtes Betäubungsmittel. Das gibt sie vor eine Magenspiegelung bekannt. Doch dort will man darauf nicht wirklich eingehen. Über ein Erlebnis, das ein Motto offenbart: Meine Untersuchungsliege, meine Behandlung.


Protokoll von Delna Antia-Tatić


„Seit Kindesbeinen habe ich Probleme mit meinem Magen. Ich habe nicht einfach Reflux, sondern mir kommt tatsächlich Speisebrei hoch in den Mund. Den ganzen Tag über, oft mehrmals hintereinander. Meine erste Erinnerung dazu hatte ich bereits mit vier Jahren. Heute bin ich 55 Jahre alt und an einem Punkt angelangt, wo ich so nicht mehr weitermachen möchte. Es ist mir auch peinlich: Hoffentlich bekommt es niemand mit, denke ich oft.

 

Meinem Hausarzt war klar, dass mein Problem nicht einfach durch Tabletten zu lösen ist – sondern mit einer speziellen Operation. Doch dazu braucht es Voruntersuchungen. Er vermittelte mir einen Termin zur Magenspiegelung bei einem Gastroenterologen. Als ich dort hinkam, wurde ich gebeten, einen Patienten-Fragebogen auszufüllen. Was ich natürlich brav tat. Auf die Frage, ob es gewisse Unverträglichkeiten gibt, füllte ich aus: „Ibuprofen und Propofol“. Propofol ist ein Narkosemittel und wird zur Betäubung bei Eingriffen eingesetzt. Ich bin allergisch dagegen.


Kerstin
Kerstin ©privat

Woher ich das weiß? Als ich vor acht Jahren damit betäubt wurde, sah ich am nächsten Morgen so aus, als wäre ich beim Preisboxen gewesen: Mein Gesicht war geschwollen, überall waren sogenannte Quinke-Ödeme. Damals war mir der Zusammenhang noch nicht klar. Doch ein paar Jahre später, als ich bei einer Darmspiegelung wieder mit Propofol sediert wurde, wurde es offenkundig: Noch während der Darmspiegelung wurde ich unruhig, hustete und wurde immer wieder wach. Woraufhin man mir leider noch mehr Propofol verabreichte. Am Abend nach dem Eingriff habe ich mich dann nur mehr übergeben. Meine Schwester, die Ärztin ist, musste mir ein Mittel spritzen, um das Erbrechen zu stoppen.

 

Für sie und auch meinen Hausarzt war deswegen klar, dass ich allergisch auf Propofol bin. Solch eine allergische Reaktion kann sich mit jedem Mal steigern und dadurch lebensbedrohlich werden. Daher war mir die Unverträglichkeitsangabe beim Gastroenterologen so wichtig. Doch statt darauf einzugehen, musste ich mich im Behandlungszimmer dafür rechtfertigen.

 

„Das bilden Sie sich ein!“ erklärte mir zunächst die Fachassistentin. Eine allergische Reaktion könne nicht sein. „Wollen Sie die Untersuchung dann ohne Betäubung machen?“ fragte sie mich. Das wollte ich nicht, sondern ein anderes Mittel. Woraufhin sie den Arzt holte. Doch auch er tat meine allergischen Beschwerden ab. Wieder hörte ich: Das könne alles nicht sein, meine Symptome lägen an etwas anderem. Wir diskutierten, bis ich ihm schlussendlich selbst das Alternativmittel vorschlagen musste, mit dem ich schon gute Erfahrung gemacht hatte.

 

Das spritzte er mir dann auch. Doch die Untersuchung verlief nicht so, wie ich es von vorigen Magenspiegelungen kannte. Der Arzt schob mir den Schlauch ziemlich brachial und ohne Vorwarnung in den Rachen hinein, da steckte die Betäubungsspritze noch in der Kanüle. Normaler Weise lassen sie einen kurzen Moment Zeit vergehen und geben dann ein Kommando. Er tat das alles nicht. Es war klar, dass er von mir als Patientin genervt war. Aber ich war zu sediert, um etwas zu sagen, auch später als ich ihm wieder gegenüber saß.

 

Im Nachgespräch erklärte er mir, dass er zwar feststellen konnte, dass mein oberer Magenmuskel nicht richtig schließe. Doch er empfehle mir: „Trinken Sie einfach weniger Kaffee und essen Sie keine Süßigkeiten!“ – Ich konnte es nicht fassen. Erstens hat er sich nie nach meiner Ernährung erkundigt. Und zweitens habe ich diese Probleme seit dem vierten Lebensjahr. In dem Alter habe ich bestimmt keinen Kaffee getrunken und Süßigkeiten gab es nur zu hohen Feiertagen.

 

Dieses Erlebnis hat mich erschüttert und verärgert. Nicht nur, weil mir der Kehlkopf nach der Untersuchung schmerzte. Ich bin misstrauisch gegenüber Ärzt:innen geworden. Und wünschte mir, dass sie uns als Patient:innen mehr ernstnehmen, gerade bei Allergien. Daher erzähle ich meine Geschichte hier. In der Hoffnung, dass auch Ärzte und Ärztinnen sie lesen und einmal reflektieren: Wie kommt das an, wenn ich mich nach dem Motto verhalte: 'Meine Untersuchungsliege, meine Behandlung'."


ZUR PERSON

Kerstin ist 55 Jahre alt, Bankkaufrau und lebt mit ihrer Familie in Deutschland.



 
 

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