„Ich wurde schwanger – trotz Endometriose“
- Ivana Cucujkić-Panić
- 16. Dez. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Dez. 2024
Schmerzen bis zur Ohnmacht, von der Schule in die Notaufnahme. Mit 13 Jahren veränderte sich Amenas Leben. Sie bekam ihre Periode. Es folgten Jahre voller Demütigungen, Fehldiagnosen und Operationen. Dann änderte sie ihre Ernährung, begann eine Therapie – und wurde schwanger.
Protokoll von Ivana Cucujkić-Panić
„In meiner Familie war die Menstruation ein Tabuthema. Es hieß nur: „sramota, o tome se ne priča“ – ein Schamthema, über das man nicht spricht. Kurz erklärte man mir, was ich benutzen muss, dann war das Thema erledigt. Doch die Schmerzen blieben – und wurden mit der Zeit immer schlimmer.
Mit 15 Jahren ging ich zum ersten Mal zum Frauenarzt. Eine Diagnose? Fehlanzeige. Stattdessen verschrieb man mir die Pille, um die Beschwerden zu lindern. Das war die Standardlösung. Alternativen wurden mir nicht angeboten, und die Schmerzen hörten nicht auf. Stattdessen landete ich immer häufiger im Krankenhaus – oft, nachdem ich in der Schule vor Schmerzen ohnmächtig geworden war. Man sagte mir, ich solle mich zusammenreißen. „Das ist halt so.“
Mit 17 Jahren erlebte ich eine besonders demütigende Situation. Als ich vor Schmerzen kaum noch stehen konnte, wurde ich im Krankenhaus zuerst gefragt, ob ich schwanger sei. Obwohl ich sagte, dass ich noch Jungfrau sei, machten sie einen Test – und riefen quer durch den Raum: „Nicht schwanger!“ Ich fühlte mich so erniedrigt.

Mein Leidensweg zog sich über Jahre. Mit 20 Jahren schleppte ich mich buchstäblich auf allen Vieren in die Notaufnahme. Wieder dasselbe Muster: Eine Ärztin fragte mich, ob ich Kinder wolle, und schlug die Entfernung der Gebärmutter vor. Ich war so verzweifelt, dass ich kurz überlegte, das Angebot anzunehmen. Erst eine andere Ärztin hörte mir wirklich zu. Sie schlug vor, eine Operation zu machen, um auf Endometriose zu prüfen.
2010, nach sieben Jahren voller Schmerzen und Fehldiagnosen, bekam ich endlich eine Antwort. Die Ärzte fanden mehrere Endometriose-Herde und entfernten sie. Aber sie sagten mir auch, dass die Krankheit chronisch ist und zurückkommen kann. Und genau das geschah. Es folgten weitere Operationen: 2012, 2015 und 2019. Bei der dritten OP wurde ein Teil meiner Gebärmutter entfernt. Die Prognose: eine sehr geringe Chance, jemals Kinder zu bekommen. Das hat mich psychisch völlig zerstört.
Trotz der Operationen und jahrelanger Einnahme der Pille änderte sich wenig. Ich hatte nicht nur körperliche Schmerzen, sondern auch mit der mentalen Belastung zu kämpfen. Oft dachte ich, ich sei einfach zu sensibel. Dabei war ich nur völlig allein gelassen. Erst nach meiner vierten Operation 2019 beschloss ich, meinen Lebensstil komplett umzustellen. Ich sah eine Dokumentation über Ernährung und dachte: Vielleicht hilft das. Also stellte ich auf vegane Ernährung um. Ich setzte auch die Pille ab, dann begann ich eine Therapie, um meine Traumata zu verarbeiten.
Zu wissen, was ich habe, war eine große Erleichterung. Und dann geschah das Unfassbare: Ich wurde schwanger – trotz aller Prognosen. Ich konnte es nicht glauben. Nach all den Jahren voller OPs und Fehldiagnosen war das ein Geschenk. Die Schwangerschaft verlief bislang ohne Komplikationen, und ich erlebe zum ersten Mal seit meiner Jugend, was es heißt, sich frei und gesund zu fühlen.
Die Endometriose macht sich zwar manchmal bemerkbar, wenn das Baby tritt und dabei eines der Herde erwischt, die in meinem Bauch wuchern. Wie es nach der Geburt weitergeht, kann mir niemand sagen. Es ist noch ein großes Rätsel, sagen meine Ärzte. Vielleicht habe ich Glück, und durch die Dehnung bei der Geburt verschwindet die Endometriose.
In wenigen Wochen erwarte ich mein erstes Kind – entgegen aller Prognosen.
Meine Botschaft an andere Frauen ist klar: Wenn du Schmerzen hast, dann hör auf deinen Körper. Lass dir nicht einreden, dass es normal ist oder du es dir einbildest. Kämpfe für deine Gesundheit und sprich darüber – es gibt Menschen, die zuhören.“
ZUR PERSON Amena ist 34, Erziehungswissenschaftlerin, Pädagogin und Masterstudentin in Sozialer Innovation. |

