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"Frauen übertreiben"

  • Delna Antia-Tatić
  • 7. Okt. 2024
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 8. Okt. 2024

Ernst genommen zu werden ist keine Selbstverständlichkeit - ob als Mädchen oder erwachsene Frau. Hat das System?


Kolumne von Delna Antia-Tatić

 

"Schatz, schmink dich besser nicht. Sonst glaubt man dir nicht, dass du etwas hast." Ich war 15 Jahre alt, als meine Mutter mir diesen Tipp vor einem Arztbesuch gab. Als Erwachsene hatte sie beobachtet, was ich als Jugendliche nur diffus wahrnahm. Sobald es um Diagnosen abseits von Bronchitis und Fußverstauchung ging, spürte ich eine Art Beweispflicht und Performance-Druck bei Ärzten und auch Ärztinnen. Schaffe ich es, dass man mir glaubt? Ernst genommen zu werden, das lernte ich früh, ist keine Selbstverständlichkeit – ob als Mädchen oder erwachsene Frau. Damals dachte ich, es liegt an mir. Heute weiß ich, das hat System.

 

Gerade erst hat eine viel zitierte Studie gezeigt, dass Frauen in der Notaufnahme rund 30 Minuten länger warten müssen als Männer. Bei gleicher Schmerzschilderung bekommen sie weniger oft Schmerzmittel verabreicht. Grund? "Frauen übertreiben" – so offenbar die verbreitete Annahme unter dem Personal in Israel und den USA. Doch nicht behandelt zu werden kann Folgen für Frauen haben, kritisiert die Studie. "Frauen werden sehr oft nicht ernst genommen, vor allem auch wenn es um Schmerzen geht", bestätigt Silvia Gaiswinkler von der Gesundheit Österreich GmbH. Sie ist Expertin auf dem Gebiet der Frauen- und Gendergesundheit und leitete unter anderem den Gesundheitsbericht über Menstruation für das Bundesministerium, der im August erschien.

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Delna Antia-Tatić / © Zoe Opratko

"Zu sensibel, zu kompliziert"

Dieser Bericht ist übrigens eine Sensation. Denn zum ersten Mal wurde untersucht, wie es mehr als der Hälfte der Bevölkerung geht, wenn sie monatlich blutet. Überraschend: 67 Prozent haben dabei Schmerzen. Soll man gratulieren, weinen oder einfach nur staunen, mit welcher Konsequenz die weibliche Gesundheit davor jahrzehntelang ignoriert wurde? Ich weiß es nicht. Gelernt haben Frauen ja Schulterzucken als Reaktion: Regelschmerzen? "Normal!", Probleme in der Menopause? "Das ist halt der Wechsel!", Endometriose? "Bestimmt nicht." Es dauert durchschnittlich sieben Jahre bis Frauen hierzu eine Diagnose bekommen.

 

Kein Wunder, wenn mein 15-jähriges-Ich von klein an verinnerlichte, "zu sensibel" und "zu kompliziert" zu sein, einfach zu falsch im System.


Über Gendermedizin zu lernen, hat mich empowert: Nicht ich bin das Problem, sondern der falsche Prototyp ist es. Denn der Mann galt stets als Norm in der Medizin, Frauen waren nicht mehr als kleinere Männer. Die geschlechtssensible Forschung nimmt all diese blinden Flecke ins Visier. Sie macht bewusst, dass Frauenkörper anders sind und dass auch Rollenmuster ein Faktor sind. Frauen werden nämlich nicht nur im Wartezimmer anders behandelt, sie verhalten sich auch als Patientinnen anders. Beispiel: Meine alte Tante Friedchen, die nicht zum Arzt ging, weil: "Der arme Mann hat doch soviel zu tun."








 
 

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