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"Bilde ich mir alles nur ein?"

  • Ivana Cucujkić-Panić
  • 7. Okt. 2024
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 8. Okt. 2024

Unsägliche Müdigkeit, eine schlechte Haut und immer engere Kleidung: Jahrelang wurde Mia von Ärzt:innen weitergeschickt. Die Behindertenbetreuerin begann an sich selbst zu zweifeln. Bis ein Knoten entdeckt wurde.


Protokoll von Ivana Cucujkić-Panić


"Mit 30 Jahren bemerkte ich, dass meine Kleidung plötzlich enger wurde. Gleichzeitig fühlte ich mich ständig erschöpft, trotz ausreichend Schlaf. Meine Haut verschlechterte sich und ich begann ungewöhnlich stark zu schwitzen. Zusätzlich bekam ich Dermatitis an den Händen. Ich suchte verschiedene Ärzt:innen auf – Neurolog:innen, Kardiolog:innen, Allgemeinmediziner:innen – aber niemand konnte mir eine klare Diagnose stellen. Die meisten vermuteten eine psychische Ursache. Eine Ärztin sprach sogar von einer möglichen Depression durch Stress. Ich sollte einen Reha-Aufenthalt oder eine Kur überdenken. Das hat mich schockiert. Ich wusste, dass körperlich etwas nicht stimme. Zudem liegen Schilddrüsenerkrankungen in meiner Familie, und solche Symptome sind immerhin typisch. 


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Behindertenbetreuerin Mia / © privat

"Die Schilddrüse ist sicher nicht das Problem," meinten jedoch alle Ärzt:innen. Die Bluttests würden das zeigen. So wurde hier nie genauer untersucht, ein Ultraschall wurde nie gemacht. Es hieß nur: "Gehen Sie zum nächsten Arzt." Um während meiner Ausbildung zur Behindertenbetreuerin wach zu bleiben, nahm ich irgendwann Koffeintabletten. Ich begann zu resignieren und dachte schließlich, dass ich mit den Beschwerden leben müsse. Vielleicht war es tatsächlich psychisch, vielleicht bildete ich mir tatsächlich alles nur ein? Irgendwann akzeptierte ich, dass ich mich immer müde fühlen und zunehmen würde, ohne dass jemand eine Lösung fand. Es vergingen Jahre. Dann ging ich mit meiner Tochter zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt – und das änderte alles.


"Keiner schien auf mich zu hören"

Statt nur meine Ohren zu reinigen, tastete er auch meinen Hals ab. Ein Knoten auf meiner Schilddrüse. Beim anschließenden Ultraschall bestätigte sich der Verdacht: Der Knoten war groß und musste weiter untersucht werden. Es folgten monatelange Tests – Ultraschall, Szintigraphie, Punktion. Dann kam es zur Operation. Die halbe Schilddrüse wurde dabei entfernt, der Knoten war zum Glück gutartig. Bis zu diesem Zeitpunkt waren inzwischen fünf Jahre vergangen. Ein einfacher Ultraschall oder ein Abtasten der Schilddrüse hätten genügt, um die Ursache zu finden. Doch stattdessen betrachtete jeder Arzt nur sein Fachgebiet, ohne das große Ganze zu sehen. Und vor allem: Keiner schien auf mich zu hören. Ich hätte mir gewünscht, dass die Ärzte meine Vermutung "Schilddrüsenerkrankung" ernst genommen hätten. Gerade bei Kassenärzten hatte ich das Gefühl, dass wenig Zeit für individuelle Bedürfnisse bleibt. Wäre ich früher zu meiner privaten Endokrinologin gegangen, hätte sich das vielleicht schneller klären können. Mittlerweile habe ich eine Schilddrüsenunterfunktion, die durch Medikamente gut eingestellt ist. Die Müdigkeit ist weniger geworden, und ich fühle mich stabiler. Das Abnehmen bleibt schwierig, trotz Ernährungsumstellung. Aber ich habe gelernt, meinen Körper so zu akzeptieren."


ZUR PERSON

Mia ist 35 Jahre alt, Motopädagogin und Behindertenfreizeitbetreuerin. Es dauerte fünf Jahre, bis sie richtig diagnostiziert wurde.


 
 

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